Ralf Samels Internetseite für Rollstuhlfahrer auf Mallorca / Thomas Hoffmark (Big Brother) plant Benefiz-Aktion

von Gabriele Küster

Thomas Hoffmark geniesst es, im Mittelpunkt zu stehen. Dass er vor 11 Jahren einen Unfall hatte und seitdem an den Rollstuhl gefesselt ist, hat daran nichts geändert. Im Gegenteil: Er ergriff die Chance, sich ins Rampenlicht zu rücken beim Schopf, als er vor etwas einem Jahr in den Big-Brother-Container eingeladen wurde. "Das hat mir viele Türen geöffnet", sagt der 35-Jährige. Die Publicity nutze er vor allem, um "gegen Gewalt und Diskriminierung" aktiv zu werden. Vergangene Woche besuchte der Mann aus Kleve Mallorca. An der Playa de Palma stellte er bei einigen Auftritten in den Urlauberlokalen seine neue CD vor. "Ballermann-Songs", wie Thomas Hoffmark sagt. Beim Publikum seien seine Auftritte mit gemischten Reaktionen angekommen: ein Rollstuhfahrer auf der Bühne sei wohl ziemlich ungewöhnlich. Weitere Auftritte sollen in den kommenden Wochen folgen.

"Vortrag positives Leben, CD, Events, Behindertensport, Model" steht auf der Visitenkarte von "Big-Brother Tommy". Die quirlige Frohnatur passt so garnicht in das Klischee eines "Behinderten". Barrieren scheint er nicht zu kennen: mit seinem sportlichen Rollstuhl erklimmt er auch steile Treppen. Und am Strand "robbe ich eben ins Wasser".

 

Seinen Mallorca-Tripp nutzte Thomas Hoffmark auch, um sich mit Ralf Samel zu treffen. Auch Samel ist seit einem Unfall vor 6 Jahren gelähmt, seit 3 Jahren lebt er auf Mallorca. Auf seinen Leidensgenossen aufmerksam geworden ist Hoffmark durch die Internetseite, die Samel erarbeitet hat. www.mallorca-rollstuhl.de versteht sich als Führer und als Hilfestellung für Urlauber, die auf den Rollstuhl angewiesen sind. "Auf die Idee, eine Homepage einzurichten, bin ich gekommen, als ich für eine befreundete Rollstuhlfahrerin aus Deutschland ein geeignetes Hotel suchen sollte. Bei Anfragen in den Touristenbüros habe ich nur Achselzucken geerntet. Und auch sonst wusste keiner Bescheid.“ sagt Ralf Samel. Seither hat er sich selbst daran gemacht, Hotels, Restaurantes, Strände und Ausflugsziele daraufhin unter die Lupe zu nehmen, ob sie für Rollstuhlfahrer zugänglich sind. „Ich versuche, in jeder Ecke der Insel geeignete Angebote zu finden.“ Inzwischen sei sogar das spanische Sozialministerium auf ihn aufmerksam geworden. Für die Behörde wolle er die Infos ins Spanische übersetzen lassen.     

Ein grosses Manko sieht Samel fast in allen Ortschaften bei den Bordsteinen: Es gebe zu wenige Absenkungen. In den Hotels seien zwar manchmal rollstuhlgerechte Zimmer und Bäder vorhanden. Aber dann macht ein

 
Schrank am Eingang den Zugang unmöglich. Oder die Rampe ist zu steil. Oder es wurde nicht an einen Duschstuhl gedacht.

Neben der bergigen Tramuntana-Region sei Palma am schwierigsten mit dem Rollstuhl zu erkunden: Häufig fehlen Behindertenparkplätze oder sie seien von „Fussgängern“ belegt. Ohne Auto sein man ganz aufgeschmissen auf der Insel, weil die öffentlichen Verkehrsmittel oft nicht behindertengerecht ausgestattet sind.

 

 

Trotz der im Vergleich zu Deutschland schlechteren Infrastruktur lebt Samel lieber auf Mallorca: „Die Spanier gehen entspannter mit Behinderten um. Ich habe hier schon sehr hilfsbereite Menschen getroffen und hatte viele schöne Erlebnisse.“

Samel betont, dass „Behinderter nicht gleich Behinderter ist.“ Je nach Art und Grad der Beeinträchtigung kommt der eine klar, wo der andere vor unüberwindbaren Hindernissen steht. So aktiv und beweglich wie Thomas Hoffmark sind wahrscheinlich wenige. Derzeit bereitet die Sportskanone eine Benefiz-Aktion vor, die noch keiner vor ihm gemacht hat: Hoffmark will ab 10. August in 126 Tagen 10000km mit dem Handbike zurücklegen. „Es ist mir wichtig, den Behindertensport voranzubringen“, sagt der durchtrainierte Rollifahrer. Ausserdem will er mit der Aktion Spenden mobilisieren, für den Verein „Traumwolke“ und für körperlich behinderte Menschen in der Türkei. Eine Auftaktveranstaltung in Dortmund sei in Vorbereitung: viele hochkarätige Prominente hätten ihm bereits Unterstützung zugesagt. „wer weiss“, sagt Thomas Hoffmark, „vielleicht geht der nächste Marathon dann nach Mallorca.“